Grundlagen zum Umgang mit Bohrhaken in Meeresnähe

Immer häufiger wird die Korrosion von Bohrhaken diskutiert, vor allem von den vielfach verwendeten Spreizankern (auch bezeichnet als Ankerbolzen oder Spreizdübel). In küstennahen Klettergebieten hat es meist klimatische Bedingungen, die diesem Sicherungsmaterial, das dauerhaft in der Felswand bleibt, zusetzten. Da man sie auch in den Routen antrifft, die auf meiner Seite aufgelistet sind, möchte ich im folgenden ein paar Aspekte dazu zusammenstellen.

Spreizanker gibt es aus gewöhnlichem Stahl (meistens verzinkt), aber oft werden Spreizanker aus Edelstahl verwendet, da sie widerstandsfähiger sind. Nachfolgend noch eine genauere Unterteilung der Stahlsorten.

Absicherung der vorgestellten Touren:
In den Standplätzen der Touren sind die Bohrhaken als Ringe aus A4-Edelstahl ausgeführt. In den Seillängen gibt es an wenigen Stellen auch A4-Bohrhaken mit Laschen und sonst überwiegend geschlagene Normalhaken, gefädelte Sanduhren und viele Möglichkeiten zum Legen von Friends und Keilen.

Stahlsorten

  • Gewöhnlicher Stahl ist in Meeresnähe kaum korrosionsbeständig.
  • V2A-Stahl (A2 Edelstahl) ist korrosionsbeständiger, aber unter aggressiven Bedingungen (bspw. Auftaualz oder salzhaltige Luft und Regen in Meeresnähe) auch noch rostanfällig. Er setzt häufig recht schnell Flugrost an der Oberfläche an.
  • V4A-Stahl (A4 Edelstahl) ist wesentlich korrosionsbeständiger. Je nach Umgebungsbedingungen allerdings auch nicht ewig haltbar.
  • HCR-Stahl ist noch resistenter, aber meines Wissens nach noch kaum verbreitet.
  • Titan ist äußerst Korrosionsbeständig, jedoch nur zum Einkleben erhältlich. Bei Klebehaken ist die Anwendungstechnik und die Haltbarkeit der Klebstoffe zu beachten.

Allgemein kann man die Lebensdauer nicht in Jahren festhalten, denn die Kombination aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Salzgehalt in der Luft, Wind, Regenwasser und der Gesteinsart beeinflusst den natürlichen Korrossionsprozess sehr unterschiedlich.

Die hauptsächlichen Korrosionsformen unterteile ich hier einmal folgende drei Bereiche:

Korrosionsarten

  • Glavanische Korrosion tritt ein wenn zwei unterschiedliche Metallsorten länger in Berührung sind. Das edlere Metall greift das unedlere an und beginnt es abzubauen. Also bspw. wenn ein Spreizanker aus Edelstahl und eine Platte aus verzinktem Stahl zusammen verwendet werden. Besonders zu vermeiden ist die Kombination andersherum (verzinkter Spreizanker und Platte aus V2A).
    Auch die Kombination eines V4A Spreizankers mit einer Platte aus V2A-Stahl sollte wenn möglich vermieden werden. Der schnell ansetzende Flugrost auf dem V2A Material begünstigt eine Korrosion am V4A Anker ein bisschen.
  • Normale Korrosion (meist Lochfraß- und Spaltkorrosion) setzt dort an, wo die schützende Schicht an der Edelstahloberfläche beschädigt ist. Diese Schicht regeneriert sich von selbst mit Sauerstoff aus der Luft. An Kerben, Kratzer und Stellen, wo nicht genug Luft hinzukommt, tritt jedoch der Korrosionsprozess ein. Diese Löcher in der Schicht können sehr klein und von außen nicht sichtbar sein.
  • Spannungsrisskorrosion (SPRK) entsteht wenn ein Metallteil unter Dauerspannung (bspw. Zugspannung bei einem Spreizanker) steht und korrosive Bedingungen darauf einwirken.

Aus einem Bericht der UIAA und einem informativen Beitrag auf einem Kletterblog entnehme ich, dass die „Normale Korrosion“ dominierend ist. Die Spannungsrisskorrosion wirkt je nach vorhanden Verhältnissen noch hinzu.

Abschließend

Es ist nicht einfach an einem Haken in der Wand herauszufinden, aus welchem Material er besteht. Gelegentlich findet man die Aufschrift mit A2 bzw. A4 oder kann an der Metallfarbe den Unterschied von Edelstahl und normalem Stahl erkennen. Somit ist es beim Klettern besonders in den Standplätzen ratsam, neben einer Augenprüfung auch auf zusätzliche Sicherungspunkte in der Nähe von Bohrhaken zu achten. Es kann hilfreich sein, auch auf das Eröffnungsdatum der Touren zu achten oder auf das Datum einer Sanierung. Eventuell kann man Tipps und Hinweise von Kletterern, die ein Gebiet schon kennen, oder von lokalen Bergsteigern bekommen.

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